Friedensreich Hundertwasser - Gestalter und Provokateur


Friedensreich Hundertwasser - Gestalter und Provokateur
Friedensreich Hundertwasser - Gestalter und Provokateur
 
Friedensreich Hundertwasser wurde am 15. Dezember 1928 als Friedrich Stowasser in Wien geboren. Nach der Matura (Abitur) im Jahr 1948 war er für drei Monate Student an der Akademie der Bildenden Künste Wien. Ab 1949 nannte er sich Hundertwasser, seit 1969 benutzt er den Vornamen Friedensreich. Er bezeichnete sich auch (und signierte als) Friedensreich Regentag. Hundertwasser unternahm mehrere Reisen, so nach Florenz, wo er den Maler René Brô traf, den er nach Paris begleitete. In Paris, wo er sich bis Juli 1950 aufhielt, war er an der École des Beaux-Arts eingeschrieben - allerdings nur für einen Tag. 1951 reiste Hundertwasser nach Marokko und Tunis. Großen Erfolg hatte er mit ersten Ausstellungen 1952/1953 im Art Club in Wien.
 
 Die Spirale als Symbol des Lebens und des Todes
 
1953 malte er die erste seiner berühmten Spiralen, für ihn Symbol des Lebens und des Todes. Seine sehr buntfarbige Malerei steht in der Tradition des österreichischen Jugendstils. Vorbilder Hundertwassers sind Schiele, Klimt und der junge Kokoschka. Ab 1954 nummerierte er seine Werke, zu denen Radierungen, Lithographien und Farbholzschnitte zählen. Im Jahr 1959 übernahm Hundertwasser eine Gastdozentur an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Ein Skandal veranlasste ihn jedoch, die Dozentur niederzulegen: Er ließ seine Schüler mit Bazon Brock und Herbert Schult die »Endlose Linie« durch die Räume ziehen. Die Aktion musste er jedoch nach zwei Tagen abbrechen.
 
 Manifeste
 
Friedensreich Hundertwasser trat parallel zu seinem künstlerischen Schaffen mit zahlreichen theoretischen Schriften an die Öffentlichkeit und provozierte zum Nachdenken. Bereits 1958 schrieb er ein »Verschimmelungsmanifest gegen den Rationalismus in der Architektur«, in dem er »ein Zersetzungsprodukt« für die »sauberen Glaswände und Betonglätten« forderte. 1979 wandte er sich in einem Manifest gegen die »Bluffzivilisation« und veröffentlichte das Manifest »Scheißkultur. Die heilige Scheiße«.
 
 Die Hundertwasser-Architektur
 
Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war ab den 80er-Jahren die Architektur, die er als »dritte Haut« des Menschen betrachtete. So konzipierte er im Auftrag der Wiener Stadtverwaltung das »Haus Hundertwasser« (auch »Hundertwasser-Haus« genannt, 1983-1986) im Wiener 3. Bezirk, das mit seiner Gras- und Baumbepflanzung, der bunten, fantasievollen Fassadengestaltung und der ungezwungenen Mischung verschiedener Stilelemente zu einer touristischen Attraktion wurde. Es folgten die Pfarrkirche von St. Barbara in Bärnbach (1984-1988), das »KunstHausWien« (1989-1991) und die Begrünung und dekorative Gestaltung des Fernwärmewerks Spittelau (1988-1992), die Anlage »Wohnen unterm Regenturm« in Plochingen, das Heil- und Erholungsbad Blumau in Blumenau in der Steiermark (1990-1997), die Kindertagesstätte in Frankfurt-Heddernheim (1989-1995) sowie der Umbau des Plattenbaus des Martin-Luther-Gymnasiums in der Lutherstadt Wittenberg (1995-1999). 1999 übernahm Hundertwasser die Umgestaltung des Bahnhofs von Uelzen in Niedersachsen als Projekt für die Expo 2000 in Hannover. Zahlreiche Projekte konnte er nicht mehr beenden, da er am 19. Februar 2000 an Herzversagen starb. Die von ihm entworfene Wohnanlage »Waldspirale« in Darmstadt wurde nach zweijähriger Bauzeit am 15. September 2000 offiziell eingeweiht. Mit dem Wohn- und Geschäftshaus »Grüne Zitadelle« in Magdeburg soll ab 2002 einer seiner letzten Entwürfe postum realisiert werden. Ein weiteres (umstrittenes) Hundertwasser-Projekt sieht für Dresden einen Komplex mit Hotel, Gastronomie und Wohnungen neben Pfund's Molkerei in der Bautzner Straße vor.
 
 Von der Buchgestaltung bis zum Autokennzeichen
 
Auch Buchgestaltungen gehören zum Werk Hundertwassers. So entwarf er 1994 zur Hundertjahrfeier der Erstauflage des »Stowasser« den Einband dieses Klassikers unter den Lateinisch-Deutschen Wörterbüchern neu, von dem die verschiedensten Farbvarianten existieren. Weiterhin zählt zu seinen Werken im Bereich der Buchkunst neben der exklusiv gestalteten und mit 80 seiner Arbeiten bebilderten Hundertwasser-Bibel (1995) die Sonderausgabe der 19. Auflage der Brockhaus Enzyklopädie (1989-1994), für die er ebenfalls den Einband entwarf. Zudem befasste er sich mit der Herstellung von Teppichen und Gobelins, entwarf Plakate (u. a. für André Hellers Projekt »Luna-Luna«), Briefmarken, Telefonkarten und 1989 auch die österreichischen Autokennzeichen.
 
Da sein Werk immer auch von einer geschickten Vermarktung begleitet wurde, erlangte es eine große Popularität. Die Vermarktungswelle der letzten Jahre reichte von Hundertwasser-Kalendern und -postern bis hin zu Schals und Krawatten. Kritik wird vor allem von Architekten und Kunstkritikern vorgebracht, die seine Arbeiten als Wiederaufbereitung des Jugendstils, als »knallbunt« ohne Grund einstufen und beispielsweise den ursprünglichen Vorsatz des Künstlers, organisch-menschenwürdige Architektur zu realisieren, hinter einer lustig übertünchten Fassade verschwinden sehen.

Universal-Lexikon. 2012.


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